Bericht eines Zeitzeugen, kurz vor Weihnachten 2011:
“Was ist bloß los mit Hamburgs Innenstadt? Öde Einkaufsstraßen, langweilige Bürobauten, ganze Häuserblocks voll Parkhäuser, zugeparkte öffentliche Plätze. Öffentliches Leben nur während der Ladenöffnungszeiten. Hier muss etwas passieren, damit es (wieder) ein lebendiges, allumfassendes Innenstadtleben gibt.”
Das ist jetzt fast zwanzig Jahre her. Gut, dass inzwischen ganz viel passiert ist in der Innenstadt: Es wurde eine Wohn-Quote eingeführt (bei jedem Neubauprojekt müssen seither mindestens 30% der BGF Wohnraum sein) und es wurden jede Menge Anreize geschaffen, Büro- und Geschäftsräume in Wohnraum umzuwandeln. Kleinteiligkeit gepaart mit gestalterischer Harmonie wurde oberstes Bau-Gebot. Gleichzeitig wurde der öffentliche Raum für urbanes Leben nutzbarer gestaltet: es wurde kräftig “entblecht” (Parken wurde deutlich reduziert), die Trennung von Fahrbahn und Bürgersteigen wurde – abgesehen von einigen Fahrrad-, Bus- und Straßenbahn-Spuren – aufgehoben. Privater Autoverkehr im Innenstadtbereich wurde stark eingeschränkt zugunsten eines erweiterten Carsharing-Angebots. Für den Lieferverkehr wurde Hamburg zur ersten CargoCap-Pilotregion für den unterirdischen Warentransport. Plätze wurden belebt, begrünt bespielt. Geschlossene Fassaden und “introvertierte Erdgeschosszonen” wurden bei Neubauprojekten untersagt. Die Innenstadt wurde zu einem LID (Living Improvement District). Der Umweltverbund (Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV) wurde und wird massiv gefördert – innerhalb des Wallrings ist seit dem Jahr 2025 sogar eine kostenlose ÖPNV-Nutzung möglich. Das Netz wurde (auch) in der Innenstadt deutlich ausgebaut: Mehrere Straßenbahn-Strecken ergänzen seidem die U- und S-Bahn – und es gibt noch weitere Neubauvorhaben. Die Innenstadt wurde von einer (quasi-)monofunktionalen Nachkriegs-City zu einer vollständigen “Stadt in der Stadt”.
Bericht eines Zeitzeugen, von neulich (kurz vor Ostern 2030):
“Ich wohne gerne in Hamburgs Innenstadt, weil sie so umfassend lebenswert ist!”
(Foto: Place Plumereau, Tours, Frankreich)
winnewoerp 4. Januar 2012
@Nextperte Steven: Wenn du mit dem Auto DURCH die Stadt möchtest, musst du ja nicht durch die Innenstadt, oder? Du kannst ja den Wallring benutzen. Das Konzept basiert ja auch darauf, dass viel mehr Menschen mit U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn in die Innenstadt kommen. Das sind alles Menschen, die dann nicht mehr im Stau stehen. Ein komplett und ungehindert fließender Autoverkehr in der Stadt ist natürlich utopisch, aber es wird ganz bestimmt nicht schlimmer als heute. Tendenziell eher besser!
Nextperte Steven 10. Januar 2012
Aber das dauert doch oben den Wallring herum viel länger. Und ich will ja auch gar nicht in die Innenstadt, sondern einfach nur möglichst schnell durch!
Nextperte Jonas 3. Januar 2012
Will, dass der Jungfernstieg zur Spielstraße wird.
Nextperte Steven 3. Januar 2012
Boah, wie soll ich denn dann durch die Stadt kommen? Da gibt es doch nur Staus um die Innenstadt!
Nextperte Sophia 3. Januar 2012
Wie wäre es damit, vor allem studentisches Leben wieder in die Innenstadt zu holen?