Wendepunkt

Nexthamburg von burij

Wendepunkt
So stellt sich burij das Hamburg von morgen vor

2010 starb vorerst in Hamburg mit den Stadtbahnplänen auch die Hoffnung, dass die Vernunft und das Gute in dieser Stadt jemals einen Sieg gegen Egoismus und Rücksichtslosigkeit einfahren könnten. Doch 2012 kam der Wendepunkt. Wahrscheinlich war der Leidensdruck zwei Jahre zuvor noch nicht hoch genug. Und Niemand hätte erwartet, dass der Große Wandel so zeitnah einsetzten würde und so rasant verlaufen würde…

Die Finanz- und Währungskriese Ende 2011 zog die Konjuktur in Deutschland das letzte Mal so richtig an. Die Menschen stürtzen sich eben in den Konsumrausch um vor den scheinbar unlösbaren Problemen zu fliehen. So erhöhte sich die Nutzung des motorosierten Individualverkehr gegenüber dem Vorjahr um mehr als 1/3. Das brachte die Verkehrsinfrastruktur zum kollabieren. Durch tägliche Staus ist Auto zu der mit Abstand der unzuverlässigsten Methode geworden, um zur Arbeit zu kommen. Innerhalb der Wohngebiete ist es unmöglich geworden einen Parkplatz zu finden, z. T. musste nach dem Parken ein mehrere Kilometer weiter Heimweg zurückgelegt werden. Auch der weiter anwachsende Wirtschaftsverkehr konnte kaum mehr über die Staße abgewickelt werden. Doch die Stadtgesellschaft schien weiterhin nichts aus der Situation zu lernen. Nich mal das Unglück von 2013 führte dazu, dass das tägliche Handeln reflektiert wurde. Dabei gab es eindeutige Beweise für den Zusammenhang zwischen diesem Ereignis und der PKW-Nutzung.

Wie schon so oft in der Geschichte kam der Wandel nicht durch die politische Entscheidungen sondern schlicht durch den Generationenwechsel. Und wie ebenfalls schon so oft zuvor verschliefen die Mächtigen zunächst einmal den Trend, verleugneten die Statistiken, wehrten sich gegen den Fortschritt.

Zuerst erledigte sich das Konzept \\\”eigenes Auto\\\”. Zu einem wurde es binnen weniger Monate verpöhnt. Radikal wendeten sich die Kinder gegen ihre Eltern und bezeichneten das Autofahren als das was es ist, nämlich rückschrittlich und asozial. Doch ein eigenes Auto zu haben ist auch richtig unkomfortabel geworden, so fiel der Umstieg auf Carsharing-Modelle deutlich einfacher. Nicht zuletzt spielte die Angst auch eine Rolle, denn besonders radikale Bewegungen innerhalb der jüngeren Generation übte immer wirksamere Anschläge gegen diejenigen, die Freizeitverkehr mit dem Auto praktizierten. Dezentral organisiert waren diese Terrorgruppen praktisch nicht zu stoppen. Autofreie Innenstadt, Stadtbahn, Citymaut, Hochhäuserkonzepte hatten es im zweiten Anlauf 2015 deutlich einfacher als 2010. 2020 bewegte sich Hamburg auf der Straße, Schiene und Wasser fast ohne Einsatz fossiler Brennstoffe.

Bald gehörte auch der Warentransport der Vergangenheit an: alles wurde unterirdisch durch spezielle Infrastruktur befördert. Nach und nach eroberten sich die Fußgänger und stellenweise die Natur den Straßenraum zurück. Viele Krankheiten gingen zurück, da es nun weniger Abgase und Stress in der Stadt gab. Es schien, als ob die Stadtmenschen im letzten Moment die Kurve bekommen hatten und lernten entspannter durch den Tag zu gehen.

Ein weiterer Meilenstein kam aus der Netzgemeinde. Open Source Anhänger, Hacker, Kryptoanarchisten u. ä. schafften es mit gemeinsamen Anstrengungen, wie bereits vor Jahren eigene dezentrale Energie- und Kommunikationsinfrastruktur aufzubauen. Bürgerkraftwerke in jedem Stadtteil sind schnell zu einem Regelfall geworden.

2030 war Hamburg keine Stadt ohne Probleme, aber nichtsdestotrotz ein enspannterer, freundlicherer und lebenswerterer Ort….

(Foto: plbg.de)

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  1. Nicht nur inhaltlich spitze, sondern auch wunderbar geschrieben! Hoffen wir, dass es nicht erst zum hier beschriebenen Verkehrsinfarkt kommen wird, bevor der Irrsinn privaten Automobilbesitzes von allen erkannt und entsprechend reagiert wird.

  2. Seh ich komplett anders!

  3. Der Abschied vom Auto ist genau der richtige Weg. Es ist ja eigentlich Wahnsinn, wieviele Hamburger ein Auto besitzen.

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